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Wirtschaft Simbabwe

Artikel

Stand: April 2018

Grundlagen

Simbabwe besitzt fruchtbare Böden, reichhaltige Bodenschätze (Gold, Platin, Diamanten, Kupfer, Nickel, Chrom, Kohle und seltene Erden) sowie touristisch interessante Naturschönheiten. Damit verfügt das Land über ein beachtliches wirtschaftliches Potential. Bis Mitte der 90er Jahre florierten Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus, danach setzte ein massiver wirtschaftlicher Niedergang ein. Von 1998 bis 2008 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um etwa die Hälfte. Ende 2008 waren aufgrund von Hyperinflation, Devisenknappheit, fehlenden Investitionen, Import- und Exportrestriktionen und Energieknappheit alle Wirtschaftsbereiche nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Die Einführung eines Multiwährungssystems mit dem US-Dollar als Leitwährung brachte ab 2009/2010 vorübergehende Besserung. Seit 2013 befindet sich das Land wieder in einer Abwärtsspirale. Positiv zu vermerken ist, dass das Bildungsniveau immer noch weit über dem afrikanischen Durchschnitt liegt, wenngleich es als Folge der allgemeinen wirtschaftlichen Misere gesunken ist. Die Infrastruktur hat infolge unzureichender Instandhaltungsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich gelitten.

Ursachen der Wirtschaftskrise

Die tiefgreifende wirtschaftliche Krise geht auf folgende langfristige Ursachen zurück:

  • Unvollkommene Umstellung von einer planwirtschaftlichen (1980-1990) auf eine marktwirtschaftliche Politik (seit 1990)
  • Anfälligkeit der landwirtschaftlichen Produktion für Dürreperioden
  • Zerstörung des kommerziellen landwirtschaftlichen Sektors durch eine überhastete und verfehlte Landreform ohne Schaffung leistungsfähiger alternativer Strukturen
  • Infolgedessen drastischer Einbruch der Exporterlöse und Zusammenbruch der ländlichen Industrie- und Dienstleistungsbetriebe
  • Oft stark fluktuierende Weltmarktpreise für Rohtabak und Mineralien (Gold, Platin, Chrom, Diamanten), die Hauptexportprodukte Simbabwes
  • ein ausuferndes Haushaltsdefizit
  • hohe Arbeitslosigkeit (90 Prozent der Erwerbstätigen im informellen Sektor tätig)

Zu diesen längerfristigen Faktoren kommen als kurzfristige Ursachen hinzu:

  • massiver Vertrauensverlust im In- und Ausland als Folge der Farmenteignungen und -besetzungen - auch unter Verletzung von Investitionsschutzabkommen - und politisch motivierter Gewalt;
  • intransparente Nutzung der Erlöse aus den Bodenschätzen des Landes (oft zugunsten Einzelner und zur Finanzierung eines überdimensionierten Sicherheitsapparates)
  • häufige Stromausfälle
  • ein überdimensionierter öffentlicher Sektor, dessen Ausgaben für Gehälter inzwischen über 90 Prozent der Haushaltseinnahmen beanspruchten.
  • die Indigenisierungsgesetzgebung, die bis Anfang 2018 eine Mehrheitsbeteiligung von "indigenen" Simbabwern in allen Unternehmen verpflichtend vorsah.

Neuere Entwicklungen

Unter der Regierung der nationalen Einheit (Februar 2009 bis Juli 2013) wurden wirtschaftspolitisch sinnvolle Maßnahmen umgesetzt. Die Hyperinflation, die 2008 nach Angaben des IWF bis zu 500 Milliarden Prozent erreichte, wurde durch die Dollarisierung quasi über Nacht beseitigt. Besorgniserregend blieben hingegen illegale Farmbesetzungen sowie die intransparente Indigenisierungsgesetzgebung.

Die seit 2000 enteigneten Großfarmen wurden oft an fachlich unqualifizierte Begünstigte vergeben. Investitionen wurden massiv dadurch erschwert, dass die neuen Besitzer keinen bankfähigen Eigentumstitel erhielten. Die landwirtschaftliche Produktion brach in der Folge ein. Seit 2013 befindet sich die simbabwische Wirtschaft wieder in einer krisenhaften Abwärtsbewegung. Ein Symptom hierfür ist eine seit 2016 andauernde Liquiditätskrise; die Lücke zwischen Bedarf und Bestand an US-Dollars für den Geldkreislauf vergrößert sich immer weiter. Die Gegenmaßnahmen der Regierung, insbesondere die Einführung einer parallelen, nicht konvertierbaren „Ersatzwährung“ („Bond Notes“), verschafften kaum Abhilfe.

Ein mit dem IWF im Oktober 2014 vereinbartes Staff-Monitored-Programme (SMP) wurde Ende 2015 erfolgreich abgeschlossen. Mit dem SMP war auch die Erwartung verbunden, dass so ein Einstieg in die Lösung des drängenden Überschuldungsproblems gefunden werden könne (öffentliche Auslandsschulden ca. 7,4 Mrd. US-Dollar; überwiegend überfällig). Das diesbezüglich von der Regierung angekündigte Maßnahmenpaket (sogenannter "Lima-Prozess") wurde bislang jedoch fast gar nicht umgesetzt. Eine Regelung der Kreditrückstände bei Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank sowie den bilateralen Gläubigern, die mittelfristig wieder Zugang zu internationalen Krediten eröffnen würde, steht bislang aus. Die Regierung Mnangagwa hat angekündigt, dieses Problem unverzüglich erneut angehen zu wollen.

Zugehörigkeit zu regionalen Wirtschaftszusammenschlüssen

Simbabwe gehört dem regionalen Wirtschaftszusammenschluss COMESA (Gemeinsamer Markt für das östliche und südliche Afrika) sowie der SADC (Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika) an.

Umweltpolitik

Simbabwe hat die drei Rio-Konventionen (Klimaschutz, Wüstenbekämpfung und Biodiversität) ratifiziert, jedoch nicht das Kyoto-Protokoll. Das Pariser Klima-Übereinkommen hat es unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.

Simbabwe hat es bislang noch nicht vermocht, die Arbeit an einer seit Jahren angestrebten, nationalen Nachhaltigkeitsstrategie abzuschließen.  Ebenso steht die Entwicklung eines nationalen Umweltplans, wie ihn der "Environmental Management Act" (2002) vorsieht, noch aus.

Das Umweltministerium engagiert sich wenig für den Wildschutz. Der Wildbestand in den Nationalparks ist infolge von Wilderei ausgedünnt, die Elefantenpopulation dagegen zu hoch - zu Lasten anderer Arten. Korruption und organisiertes Verbrechen sindn große Hindernisse für eine nachhaltige Wildschutzpolitik.

Vorherrschende Umweltprobleme wie Bodenerosion infolge von Abholzung oder Verschmutzung von Trinkwasser sind in Simbabwe in erster Linie armutsbedingt. Die finanziellen und personellen Kapazitäten zur Lösung von Umweltproblemen sind sehr begrenzt, ebenso fehlt es an statistischen Daten zur Erfassung der Umweltsituation. Im Bereich der erneuerbaren Energien wird seit 2013 Biokraftstoff (E10 bis zu E85) angeboten, der durch den Zusatz von Äthanol aus heimischem Zuckerrohr gewonnen wird. Das Wasserkraftwerk am Kariba-Staudamm wird ausgebaut. Trotz günstiger Voraussetzungen spielt die Solarenergiegewinnung bisher nur eine untergeordnete Rolle.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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